Keine Texte, keine Fotos — was ein Betrieb für eine neue Website wirklich beisteuern muss
Der Satz, an dem die meisten Website-Vorhaben hängen bleiben, lautet: Ich müsste ja erst mal Texte schreiben. Muss man nicht. Was ein Betrieb tatsächlich liefern muss, sind Fakten, Zugänge und eine Freigabe — der Rest ist Arbeit, die jemand anders machen kann.
Es gibt einen Punkt, an dem erstaunlich viele Website-Vorhaben stehenbleiben, und er liegt weder beim Geld noch bei der Technik. Er liegt bei dem Gefühl, erst einmal selbst etwas produzieren zu müssen: Texte über den eigenen Betrieb, Fotos, eine Liste der Leistungen. Das schiebt man auf, weil es Arbeit ist, für die man weder Zeit noch besondere Lust hat. Und dann liegt das Vorhaben ein halbes Jahr.
Die Annahme dahinter stimmt nicht. Texte schreiben und Bilder aufbereiten ist Arbeit, die jemand anders erledigen kann. Was nur aus dem Betrieb kommen kann, ist deutlich weniger — und deutlich schneller beisammen.
Was wirklich nur aus dem Betrieb kommen kann
Die Fakten. Was der Betrieb anbietet, für wen, in welchem Gebiet, seit wann, mit wie vielen Leuten. Welche Qualifikationen, Zulassungen oder Mitgliedschaften bestehen. Wie ein Auftrag oder ein Termin dort abläuft. Was er nicht macht. Diese Angaben sind der Rohstoff — sie stehen in keinem Archiv und lassen sich nicht erfinden.
Die Angaben für die Rechtsseiten. Vollständiger Firmenname, Rechtsform, Anschrift, Vertretungsberechtigte, Registereintrag und -nummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, bei manchen Berufen zusätzlich Kammer, Berufsbezeichnung und berufsrechtliche Regelungen. Das ist eine kurze Liste, die aber vollständig sein muss.
Die Zugänge. Wo die Domain liegt und wer dort eingetragen ist, wo die bestehende Website läuft, ob ein Google-Unternehmensprofil existiert und wer darauf Zugriff hat. Diese Frage ist erfahrungsgemäß die, die am längsten dauert — nicht wegen des Aufwands, sondern weil oft niemand im Betrieb es genau weiß.
Die Freigabe. Am Ende muss jemand sagen: So stimmt es. Bei Fachbegriffen, Zahlen, Qualifikationen und allem, was rechtlich heikel ist, kann diese Prüfung niemand von außen übernehmen. Das ist kein Formalismus — es ist die Stelle, an der Fehler abgefangen werden, bevor sie öffentlich sind.
Was niemand im Betrieb selbst schreiben muss
Alles, was danach kommt. Aus einem Gespräch von einer Stunde lassen sich die Texte einer kompletten Betriebswebsite erarbeiten — und sie werden in aller Regel besser als selbst geschriebene, weil sie von jemandem formuliert sind, der die Fragen eines Außenstehenden noch hat.
Der Grund, warum selbst geschriebene Texte oft schwerfallen, ist übrigens nicht mangelndes Sprachgefühl. Es ist die Nähe: Wer seit zwanzig Jahren in einem Fach arbeitet, weiß nicht mehr, was daran erklärungsbedürftig ist. Genau deshalb ist Fremdformulierung hier kein Kompromiss, sondern der bessere Weg.
Praktisch heißt das: Der Betrieb erzählt, jemand anders schreibt, der Betrieb korrigiert. Korrigieren geht schnell — vor einem leeren Blatt zu sitzen dauert.
Fotos: weniger dramatisch, als es wirkt
Bilder sind der zweite große Stolperstein, und auch hier ist die Erwartung meist zu hoch. Drei Fälle deckt man in der Praxis ab:
Es gibt Fotos. Alte Aufnahmen vom Betrieb, vom Team, von Arbeiten — auch unsortiert und in schlechter Auflösung. Sammeln reicht; auswählen und aufbereiten ist Arbeit für andere.
Es gibt Handyfotos, oder sie lassen sich machen. Für Arbeiten, Räume und Fahrzeuge ist das völlig ausreichend, wenn sie bei Tageslicht entstehen. Ein echtes Foto vom eigenen Betrieb wirkt verlässlich stärker als ein perfektes Katalogbild.
Es gibt nichts. Dann trägt eine Seite auch ohne Bildmaterial — über klare Struktur und Text — und die Bilder kommen später nach. Das ist ein deutlich besserer Zustand als eine Seite, die nie entsteht, weil auf den Fototermin gewartet wird.
Zwei rechtliche Punkte sind dabei zu beachten und schnell erledigt: Bei erkennbaren Personen — Mitarbeitern wie Kunden — braucht es deren Einverständnis, und zwar am besten schriftlich und mit dem Hinweis, dass es widerrufen werden kann. Und bei fremden Bildern muss die Lizenz die Nutzung tatsächlich abdecken; ein Bild, das irgendwo gefunden wurde, ist keines, das verwendet werden darf.
Ein Logo ist kein Blocker
Wenn ein Logo vorhanden ist, hilft die Originaldatei — idealerweise als Vektordatei, sonst in möglichst großer Auflösung. Wenn keines existiert, ist das kein Grund zu warten. Eine sauber gesetzte Wortmarke trägt eine Website vollständig, und ein Logo lässt sich später ergänzen, ohne dass die Seite neu gebaut werden muss.
Dasselbe gilt für Farben: Wenn es welche gibt, weitergeben. Wenn nicht, werden sie mitentschieden.
Der Zeitfresser, den kaum jemand einplant
In fast allen Projekten ist der längste Posten nicht das Schreiben und nicht das Bauen. Es ist die Beschaffung der Zugänge: Wer ist Inhaber der Domain, wo läuft sie, wer hat die Zugangsdaten, existiert der alte Dienstleister noch, wer verwaltet das Unternehmensprofil.
Wer nur eine Sache vorab erledigen will, dann diese. Ein Blick in die Unterlagen, eine Mail an den bisherigen Betreuer, eine Abfrage der Domaindaten — das kostet eine halbe Stunde und verhindert die Verzögerung, die sonst am Ende auftritt, wenn alles andere fertig ist.
Eine realistische Vorbereitungsliste
Wer sich einen Nachmittag nehmen will, kommt mit dieser Liste aus:
- Zugänge klären. Domain, bestehende Website, Unternehmensprofil, E-Mail — wer hat was.
- Rechtsangaben zusammenstellen. Die Pflichtangaben für Impressum und Datenschutzerklärung.
- Bildmaterial sammeln. Alles, was da ist, in einen Ordner. Nicht sortieren.
- Zwei bis drei Beispielaufträge notieren. Typische Fälle aus dem Alltag — daraus entstehen später die konkretesten Textstellen.
- Aufschreiben, was der Betrieb nicht macht. Der Teil, den man am ehesten vergisst und der die meisten unpassenden Anfragen verhindert.
Mehr braucht es nicht, um anzufangen.
Häufige Fragen
- Muss ich die Texte für meine Website selbst schreiben?
- Nein. Was aus dem Betrieb kommen muss, sind die Fakten — Leistungen, Ablauf, Gebiet, Qualifikationen — und die inhaltliche Freigabe. Das Formulieren lässt sich abgeben, und meist entstehen dabei bessere Texte, weil jemand von außen die Fragen eines Außenstehenden noch hat.
- Was mache ich, wenn ich überhaupt keine Fotos habe?
- Anfangen und die Bilder nachliefern. Eine gut strukturierte Seite trägt auch ohne umfangreiches Bildmaterial. Deutlich schlechter ist der übliche Weg: das Vorhaben ruhen lassen, bis irgendwann ein Fototermin stattfindet.
- Reichen Handyfotos für eine Website?
- Für Arbeiten, Räume, Fahrzeuge und Team in der Regel ja, wenn sie bei Tageslicht aufgenommen sind. Echte Aufnahmen aus dem eigenen Betrieb wirken glaubwürdiger als Katalogbilder.
- Brauche ich ein Logo, bevor es losgehen kann?
- Nein. Eine sauber gesetzte Wortmarke trägt eine komplette Website, und ein Logo lässt sich später einsetzen. Wenn eines existiert, ist die Originaldatei hilfreich — vorzugsweise als Vektordatei.
- Welche Angaben brauche ich für Impressum und Datenschutzerklärung?
- Im Kern: vollständiger Firmenname, Rechtsform, Anschrift, Vertretungsberechtigte, Registereintrag, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und bei bestimmten Berufen Kammer, Berufsbezeichnung und die einschlägigen berufsrechtlichen Regelungen. Welche davon konkret gelten, hängt von Rechtsform und Tätigkeit ab.
- Was dauert bei so einem Vorhaben am längsten?
- Fast immer die Zugänge — Domain, bestehende Website, Profile. Nicht wegen des Aufwands, sondern weil oft niemand im Betrieb sicher weiß, wo was liegt und wer eingetragen ist. Diese Frage vorab zu klären spart am Ende die meiste Zeit.
- Was kann niemand für mich übernehmen?
- Die Freigabe. Ob eine Angabe zu Qualifikation, Leistung oder Preis zutrifft, kann nur der Betrieb selbst beurteilen — und genau dort entstehen die Fehler, die später teuer werden.